Stand-Up mit oben ohne.

Wie ich einmal in eine Comedy-Tour durch Berlin geraten bin.

Freitag, 07. Oktober 2016

Nur einen Tag frei, dann muss aus dem was gemacht werden! Freizeitpark, Couching oder Klöppelkurs – der Fantasie sind da ja keine Grenzen gesetzt. Ich hab' mich für den ICE Hamburg-Berlin entschieden und bin einfach mal 'nen Tag in der Hauptstadt verschwunden. Erstmal ausgiebig frühstücken und das inmitten von Berlinern... Korrektur: inmitten von Berliner Touris. Wenn links ein Asiate an einer Selfiestange hängt und rechts nach „East-Germany“ gefragt wird, dann weißt Du, dass Du in der Hauptstadt bist. Hier ist es so irre international, dass ich beim Shoppen grundsätzlich erstmal auf Englisch angesprochen werde. Aber hey – ich hab' nur den einen Tag Urlaub, dann machen wir den Spaß mal mit: „Where are your Changing-Rooms, please?“, frage ich die Dame mit dem locker gebundenen blonden Haarknötchen auf dem Kopf und ihre rund geschminkten roten Bäckchen leuchten mir den Weg. Mit einem: „If you need anything“ bietet sie mir weitere Hilfe an und ich bedanke mich artig: „Thank you so much.“ In der Kabine klingelt dann mein Handy und so telefoniere ich dann kurz mit einer Freundin auf Deutsch, um dann mit einem: „Didn't fit.“ .“ aus der Kabine und an der Verkäuferin (die mit dem questionmark im Gesicht) vorbei wieder den Shop zu verlassen. Ihr leises, irritiertes „Tschühüüüß“ höre ich grad noch.

>>Wie ich einmal einen Rocker als Türsteher hatte

Weiter geht’s. Ich bin grad fußlahm, will aber irgendwie auch was von der Stadt sehen – also hopse ich in einen der roten Sightseeing-Doppeldecker. „Nach der Lulle geht’s los“, klärt mich der rauchende Busfahrer mit schulterlangem Haar und Mega-Schnäuzer auf. Ich platziere mich oben direkt erste Reihe und nach und nach sammelt sich dann noch eine niederländische Reisegruppe hinter mir. Diese Sprache liebe ich. Manchmal stelle ich sogar den EC-Automaten auf Holländisch. Unterhaltung im Alltag. Und genau die bekomme ich auf dieser Stadttour nonstop. Wir erreichen mit dem Bus die Siegessäule und zu den Audio-Informationen über Kopfhörer bekommen wir Deutsch-Sprachler zusätzlich noch übers Mikro das Spezial-Wissen vom Fahrer: „Wir sagen zu der Dame hier Goldelse. Wisst Ihr, warum die barfuß ist? Hat keene Schuhe jefunden. Nisch mal in Berlin ham'se watt in Größe 96.“ Na, das sind doch mal Informationen! Geht noch weiter: „Und wenn Du ihr unter'n Rock kieken willst, musste erstmal die 285 Stufen hoch.“ Ich amüsiere mich prächtig. Vorm Sterne-Hotel „Adlon“ werden wir vor den Kaffee-Preisen gewarnt: „Aber zum 12 Euro Kännchen kriegste dann wenigstens 'n schicket Selfie gratis dazu.“

>>Wie ich einmal den nackten Mann im Koffer kennenlernte

Nach einem Zwischenstopp am Kanzleramt: „Kieks Dir mal an, deswegen nennen wir dit hier och die Waschmaschine“, kommen wir an dem Ort vorbei, in dem die Bundes-Pressekonferenz stattfindet. Wer da zu sehen ist? Das Berliner Original klärt auf, aber auf seine Weise. Aus Bundeskanzlerin Merkel wird „uns Angie“, unsere Verteidigungsministerin ist „Frau von der Leine“ und auch unser Innenminister Thomas De Maizière klingt aus dem Schnäuzer etwas salopper: „Bei mir heißt der Thomas die Misere. Hab' meine Gründe.“ Ganz bestimmt.

>>Majas schrägste Erlebnisse gibt es jeden Freitag in ihrem Blog: "Das hab' ich so nicht bestellt."

Selbst Hitlers angeblicher Leichen-Fundort klingt bei ihm wie eine Weg-Beschreibung zum nächsten Penny: „Da links an dem Poller vorbei und unjefähr die Höhe vom Bagger, da soll der jelegen haben.“ Und schon gibt er Gas und uns fliegen die Köpfe in den Nacken. DAS Ticket hat sich mal echt gelohnt.

Das hab' ich so nicht bestellt, dass ich an meinem freien Tag einen Nebenjob für Mario Barth finde. Schloss Bellevue – kennste?

Darauf einen: Hauptstadt Doppeldecker aka. „rote Berliner Weisse“. Und 'ne Runde „Berliner Luft“ für meine holländischen Freunde.

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